Fotografische Dokumente aus den Vereinigten Staaten der frühen 1980er-Jahre sind selten geworden. Die Bildserie von Simone Kappeler zeigt ein Amerika, das sich seitdem grundlegend verändert hat. Die Fotografien entstanden während einer mehrmonatigen Reise im Jahr 1981 und blieben über Jahrzehnte unbeachtet. Erst viele Jahre später wurden sie neu bewertet und in Buchform veröffentlicht. Der zeitliche Abstand verleiht dem Material einen besonderen dokumentarischen Wert. Städte, Landschaften und Alltagsmomente erscheinen aus heutiger Sicht als visuelle Zeugnisse einer vergangenen Epoche. Die Bilder entstanden fast 45 Jahre vor der erneuten Veröffentlichung und spiegeln einen gesellschaftlichen Zustand, der nicht mehr existiert. Wer sich für eine fotografische Reise durch die Zeit interessiert, findet hier vergleichbare Perspektiven.
Inhaltsverzeichnis
- Simone Kappeler Frauenfeld
- Kameras Hasselblad Nikon F2
- New York Polaroid SX-70
- Archiv Schweiz 35 Jahre
- The Americans Robert Frank
- Buchauswahl 250 Fotografien
- Sammlungen Auszeichnungen
Simone Kappeler Frauenfeld
Simone Kappeler wurde 1952 in Frauenfeld geboren. Von 1972 bis 1976 studierte sie Germanistik und Kunstgeschichte an der Universität Zürich. Parallel dazu besuchte sie von 1975 bis 1979 die Fachklasse für Fotografie an der damaligen Schule für Gestaltung Zürich. Diese Ausbildung vermittelte ihr umfassende Kenntnisse in analoger Fototechnik, Bildkomposition und Laborarbeit. Nach dem Abschluss sammelte sie zwei Jahre praktische Erfahrung als Fotografin.
Ende der 1970er-Jahre war Zürich von Jugendbewegungen geprägt. Eine ganze Generation suchte neue Ausdrucksformen und mehr persönliche Freiheit. Kappeler gehörte zu dieser Generation und entschied sich für eine lange Reise in die Vereinigten Staaten. Das Land galt als Projektionsfläche für Freiheit, Weite und individuelle Möglichkeiten, wie sie auch in der Rubrik Reisen thematisiert werden.
Kameras Hasselblad Nikon F2
Der Roadtrip begann am 28. April 1981. Im Gepäck befanden sich mehrere Kameras mit unterschiedlichen technischen Eigenschaften.
- Hasselblad Mittelformatkamera
- Nikon F2 Kleinbildkamera
- Polaroid SX-70
Zusätzlich kaufte Kappeler unterwegs weitere einfache Kameramodelle. Darunter befanden sich eine Diana, eine Anscoflex, eine Kodak Brownie Hawkeye sowie eine Micro-Pet 110. Jede Kamera erzeugte ein eigenes Bildresultat, abhängig von Objektiv, Filmtyp und technischer Limitierung. Die bewusste Mischung von professionellem und einfachem Equipment prägte den visuellen Charakter der Serie und steht im Kontrast zur heutigen Entwicklung der Kameratechnologie.
New York Polaroid SX-70
Die Reise begann in New York. Dort entstanden zahlreiche Sofortbilder mit der Polaroid SX-70. Diese Aufnahmen sind Unikate und nehmen im Gesamtwerk eine zentrale Rolle ein. Sie zeigen Straßenszenen, Architektur und Stimmungen in Manhattan. Nach etwa drei Wochen setzten die beiden Reisenden ihre Fahrt fort.
Ein gebrauchter Ford Grand Tourismo Station Wagon wurde gekauft. Das Fahrzeug bot ausreichend Platz zum Schlafen und Transportieren der Ausrüstung. Die Route führte quer durch die USA.
- Niagara-Fälle
- Las Vegas
- Grand Canyon
- Los Angeles
Die Reise dauerte insgesamt rund drei Monate. Der amerikanische Kontinent wurde von Ost nach West durchquert.
Archiv Schweiz 35 Jahre
Nach der Rückkehr in die Schweiz begann keine unmittelbare Auswertung. Die belichteten Filme und Abzüge wurden archiviert. Das gesamte Material blieb 35 Jahre lang unbeachtet. Erst Jahrzehnte später sichtete Kappeler die Fotografien erneut. Im Vergleich zu aktuellen Darstellungen der USA erkannte sie deren besonderen dokumentarischen und emotionalen Wert.
Die Bilder zeigen nicht nur visuelle Veränderungen. Sie verweisen auch auf wirtschaftliche und politische Umbrüche. Das Amerika von 1981 erscheint ruhiger, offener und weniger verdichtet als heutige Darstellungen.
The Americans Robert Frank
Der Vergleich mit dem Werk von Robert Frank drängt sich auf. Sein Buch The Americans entstand während eines Roadtrips in den 1950er-Jahren. Franks Arbeit umfasst 83 Schwarzweiss-Fotografien und zeigt eine kritische Analyse der amerikanischen Gesellschaft.
Kappelers Buch unterscheidet sich grundlegend. Es ist farbig, subjektiv und tagebuchartig aufgebaut. Statt gesellschaftlicher Analyse stehen Wahrnehmung, Bewegung und persönliche Eindrücke im Vordergrund. Die Bildsprache ist experimentell und bewusst uneinheitlich.
Buchauswahl 250 Fotografien
Die finale Publikation enthält rund 250 Fotografien. Trotz der Vielfalt an Kameras und Formaten ist eine konsistente künstlerische Handschrift erkennbar. Die Bildauswahl und Reihenfolge wurden sorgfältig neu komponiert. Experimentelle Offenheit und formale Klarheit stehen nebeneinander.
Das Buch wurde auf die Longlist des Deutschen Fotobuchpreis 20/21 in der Kategorie Bronze aufgenommen. Es gilt als bedeutendes Frühwerk innerhalb des Gesamtœuvres von Simone Kappeler.
Sammlungen Auszeichnungen
Kappelers Werke befinden sich heute in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen.
- Fotostiftung Schweiz
- Kunstmuseum Thurgau
- UBS Art Collection
- Collection Neuflize Vie, Paris
Sie wurde mehrfach ausgezeichnet. Zu den Ehrungen zählen der Kulturpreis des Kantons Thurgau 2021, der Konstanzer Kunstpreis sowie das Eidgenössische Stipendium für angewandte Kunst. Simone Kappeler lebt und arbeitet in Frauenfeld und unterwegs.
FAQ
Wer ist Simone Kappeler?
Simone Kappeler ist eine Schweizer Fotografin, geboren 1952 in Frauenfeld, die für ihre dokumentarischen und experimentellen Fotoarbeiten bekannt ist.
Wann entstand der Roadtrip durch Amerika?
Der Roadtrip begann am 28. April 1981 und dauerte rund drei Monate, in denen der amerikanische Kontinent von Ost nach West durchquert wurde.
Welche Kameras nutzte Simone Kappeler auf ihrer Reise?
Sie fotografierte mit einer Hasselblad, einer Nikon F2, einer Polaroid SX-70 sowie mehreren einfachen Kameramodellen wie Diana, Anscoflex und Kodak Brownie Hawkeye.
Warum wurden die Fotografien erst so spät veröffentlicht?
Das gesamte Bildmaterial wurde nach der Reise archiviert und blieb 35 Jahre lang unbeachtet, bevor es erneut gesichtet und bewertet wurde.
Wie viele Fotografien umfasst das Buch?
Die veröffentlichte Buchauswahl besteht aus rund 250 Fotografien, die aus dem umfangreichen Archivmaterial zusammengestellt wurden.
Worin unterscheidet sich Kappelers Werk von Robert Franks The Americans?
Während Robert Frank eine kritische Schwarzweiss-Analyse der amerikanischen Gesellschaft zeigt, präsentiert Kappeler ein farbiges, subjektives und tagebuchartiges Bild ihrer Reise.
Welche Auszeichnung erhielt das Buch?
Das Buch wurde auf die Longlist des Deutschen Fotobuchpreises 20/21 in der Kategorie Bronze aufgenommen.
Wo sind Werke von Simone Kappeler heute zu finden?
Ihre Fotografien befinden sich unter anderem in der Fotostiftung Schweiz, im Kunstmuseum Thurgau, in der UBS Art Collection und in der Collection Neuflize Vie in Paris.
Quelle: FOTOINTERN

