RAW-Dateien
RAW-Dateien, Foto: pixabay

Neue Kameras begeistern Technikfans und Profis gleichermaßen. Doch nicht selten folgt auf die Freude ein Hindernis: Die RAW-Dateien lassen sich nicht sofort bearbeiten. Die Ursache liegt in der Vielzahl herstellerspezifischer Dateiformate, die Softwareentwickler oft erst nachträglich unterstützen können.

Inhaltsverzeichnis:

Unterschiedliche RAW-Formate erschweren die Bearbeitung

RAW-Dateien sind das digitale Negativ moderner Kameras – sie speichern wesentlich mehr Bildinformationen als komprimierte JPEGs. Doch „RAW“ ist kein einheitlicher Standard. Jeder Hersteller verwendet ein eigenes Format:

  • Canon: CR3
  • Nikon: NEF, NRW
  • Sony: ARW
  • Fuji: RAF
  • Panasonic: RW2
  • OM System: ORF
  • Hasselblad: 3FR
  • Sigma: X3F

Diese Vielfalt führt regelmäßig zu Kompatibilitätsproblemen. Jede Software muss neue Formate separat integrieren. Wer eine neue Kamera besitzt, muss mitunter Wochen warten, bis Programme wie Adobe Lightroom, Capture One oder Darktable passende Updates anbieten. Gerade für professionelle Anwender kann das ein erheblicher Nachteil sein.

Adobe DNG als Versuch einer Lösung

Um dieser Fragmentierung entgegenzuwirken, entwickelte Adobe bereits 2004 das Format DNG (Digitales Negativ). Es basiert auf dem TIFF-Standard, ist offen und lizenzfrei. Der größte Vorteil: Metadaten lassen sich direkt in der Datei speichern, eine zusätzliche XMP-Sidecar-Datei ist nicht zwingend nötig. Einige Hersteller nutzen DNG aktiv:

  • Leica
  • Pentax
  • Ricoh
  • Sigma (teilweise, z. B. bei der fp-Serie)

Pentax bietet sogar die Option, zwischen dem eigenen PEF-Format und DNG zu wählen. Dennoch halten große Hersteller wie Canon, Nikon und Sony an ihren proprietären Standards fest. Auf Nachfrage erklärte Canon, dass eine Standardisierung die Möglichkeit einschränke, eigene Datenformate optimal auf Sensor und Prozessor abzustimmen. Sony und Panasonic betonen ebenfalls technische Vorteile.

Frühkäufer sind besonders betroffen

Wer eine Kamera direkt nach Markteinführung kauft, ist am stärksten von fehlender Softwareunterstützung betroffen. Zwar liefern Hersteller wie Sony (Imaging Edge), Canon (Digital Photo Professional) oder Nikon (NX Studio) eigene Software. Doch diese wird von vielen Fotografen als unpraktisch oder leistungsschwach empfunden. Besonders Tester und YouTuber bemerken die Einschränkungen – etwa wenn Programme wie DxO PhotoLab mit neuen Formaten wie GFX100RF noch nicht umgehen können.

Die Verzögerung bei der Integration neuer RAW-Formate betrifft besonders Inhalteerstellende, die schnell Ergebnisse liefern müssen. Sie können die RAW-Funktionalität nicht nutzen, obwohl sie technisch bereits vorhanden ist.

Bedenken gegenüber DNG bleiben

DNG könnte theoretisch viele Probleme lösen. Es ist offen, flexibel und unterstützt von zahlreichen Anwendungen. Doch ein Aspekt sorgt für Zurückhaltung: Die Kontrolle liegt bei Adobe. Obwohl DNG offen dokumentiert ist, gibt es keinen neutralen Standardisierungsprozess wie bei ISO-Normen. Die Sorge: Adobe könnte zukünftige Versionen entwickeln, die nur in eigenen Programmen funktionieren.

Das Misstrauen gegenüber Adobe als marktbeherrschendem Softwareanbieter spielt hier eine zentrale Rolle. Dennoch bleibt DNG für viele eine praktikable Option – vor allem für Archivare, Softwareentwickler und ambitionierte Fotografen, die langfristige Dateikompatibilität suchen.

 Quelle: Photografix-magazin